Erwin Pitta, Nachruf

Erwin Pitta, geboren am 11. 7. 1941, wuchs kriegsbedingt ohne Vater auf und musste früh Verantwortung in der Familie übernehmen. Er fand auf dem Umweg über die Realschule seinen Weg in die Lehrerausbildung und war daher von Anfang ein Pädagoge, der für Chancengerechtigkeit eintrat. Im zweiten Schuljahr (1975/76) nach der Gründung der Schule kam er vom Ludwig-Georgs-Gymnasium an die Bertolt-Brecht-Schule und unterrichtete die Fächer Deutsch und Gemeinschaftskunde, später kam aus persönlicher Begeisterung das Fach Kunst dazu.

Karl-Heinz-Koehler-Erwin-Pitta
Erwin Pitta (rechts) und Karl-Heinz Köhler

Der Wechsel erfolgte wegen seiner wachsenden Schwerhörigkeit, da er begründet annahm, dass es in Oberstufenklassen ruhiger zugehe und ihm das Unterrichten weiterhin und langfristig ermöglicht werde. Er wurde aufgrund seiner Persönlichkeit sehr schnell zu einem wichtigen Mitglied des Kollegiums. Er war nicht nur ein liebenswerter Mensch, sondern auch ein hilfsbereiter Partner vor allem für Neueinsteiger. Er wirkte stets ausgleichend und integrierend. Das hat der sich neu entwickelnden Schule außerordentlich gut getan und wesentlich zum guten Klima beigetragen. Folgerichtig wurde er auch 1981 Fachbereichsleiter und hat den Fachbereich Eins (die sprachlichen und musischen Fächer) mit sanfter Beharrlichkeit geprägt.

Er leitete bis zu seiner Pensionierung auch die Bibliothek und machte daraus nicht nur einen beliebten Rückzugsraum und Treffpunkt für das Kollegium, sein kleines Zimmer dort wurde zum Gesprächsort, auch ich habe dort viele Gespräche geführt und konnte manches Problem, ohne es an die große Glocke zu hängen, erörtern und mit Hilfe seiner vermittelnden Art lösen. Es wurde auch zum „Kummerkasten“ für einige im Kollegium, weil sie dort unter vier Augen ihre persönlichen und beruflichen Sorgen bereden konnten. Besonders profitiert haben davon Kollegen und Kolleginnen, die neu an die Schule kamen und Orientierung suchten.

Leider haben nicht alle sein im Hintergrund erfolgreiches Wirken gewürdigt, als er zunehmend Entlastung und Unterstützung brauchte wegen der fortschreitenden Schwerhörigkeit; das hat ihn bedrückt. Trotzdem blieb er eine der entscheidenden Persönlichkeiten, die den Geist der Schule geprägt haben, und wurde darüber hinaus für viele, auch für mich, ein guter Freund. Es gibt nur wenige Menschen, die so gleichbleibend liebenswürdig und andere integrierend und anregend den Beruf eines Lehrers ausüben und sich auch nicht von dieser Haltung abbringen lassen.

Im Gegenteil hat er stets versucht, sein Wissen, seine Erfahrung an andere weiterzugeben. Diejenigen, die mit ihm auf Reisen gingen, Schüler, Kollegen, Freunde, werden dies nie vergessen. Den Schülergruppen, die er durch Rom geführt hat, hinterließ er mit seinem Wissen und seiner Begeisterung einen auf Lebenszeit bleibenden Eindruck.

Im Jahr 2000 musste er wegen des fortschreitenden Gehörleidens den Beruf aufgeben und in Pension gehen. Trotzdem blieb er der Schule eng verbunden.

Viele werden nach seinem Tod am 24. Januar eine gute Seele und einen guten Geist und anregenden Freund vermissen. Leider hat das Schicksal ihn in den letzten Lebensjahren schwer geschlagen und es ist nur ein geringer Trost, dass der Tod für ihn als Erlösung kam.

Darmstadt, den 27. 1. 2014, Dr. Fritz Deppert